“Da capo!” Unsere Konzertinitiative für den Neustart Kultur in Niederbayern

Posted by Veronika Ott Category: Aktuelles, Konzerte

Ein gutes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie zeigt sich ein düsteres Bild des Kulturlebens – auch in Niederbayern. So gut wie alle Veranstaltungen mussten abgesagt werden und der Konzertbetrieb ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Besonders hart trifft das selbständige Künstler wie Profimusiker, die durch Honorarausfälle und schlecht greifende staatliche Unterstützung um ihre Existenzgrundlage bangen müssen. Es ist zu befürchten, dass der Schaden für das kulturelle Leben damit weitaus langfristiger ausfallen könnte, als die Pandemie selbst dauert. Dieser Entwicklung möchten wir entgegenwirken – mit unserer Konzertinitiative „Da capo!“ Dieses Projekt will es Profimusikern ermöglichen, wieder zurück auf die Bühne zu finden. Ziel ist es, eine konkrete Perspektive sowohl für die betroffenen Künstler als auch den Kulturbetrieb in der Region insgesamt zu schaffen.

Das Konzept der Konzertinitiative „Da capo!“

Von Juni bis Juli 2021 werden in der Pfarrkirche Vornbach vier verschiedene barocke, klein besetzte Kantatenprogramme zur Aufführung kommen. Neben den Chormitgliedern und Ehrenamtlichen sind auch eine ganze Reihe selbständiger Profimusiker wie Gesangspädagogen, Gesangssolisten und Instrumentalisten aus dem großen Netzwerk des Heinrich-Schütz-Ensembles Vornbach eingebunden.

Verteilt über mehrere Proben-Werkstatt-Termine werden die externen Musiker aber schon vor den eigentlichen Konzertterminen involviert. Diese Termine werden unter Berücksichtigung aller Hygieneregeln und sonstiger Corona-Auflagen in Kleinstgruppen durchgeführt und durch Online-Unterricht (individuelle Stimmbildung und Gesangsunterricht) sinnvoll ergänzt.

Programm und Termine

Die vier Kantatensonntage rücken die glanzvolle Zeit des Hochbarock und drei bedeutende Komponisten ihrer Zeit in den Mittelpunkt. Sie lassen die Fülle und Diversität einer musikalischen Epoche aufflammen, die bis heute an Klangreichtum, Ideenvielfalt und Sinnstiftung unübertroffen ist. Herausragende Solistenensembles und die historisch-informierte Aufführungspraxis versprechen ein eindrückliches Konzerterlebnis, das nach der langen Zeit der Stille die Seele direkt anspricht.

Erster und Zweiter Kantatensonntag der Konzertinitiative mit Bach

Mit den beiden Kantaten „Höchsterwünschtes Freudenfest“ (BWV 194) am 30.05. und „Ich hatte viel Bekümmernis“ (BWV 21) am 20.06.2021, die Bach für genau diese beiden Sonntage im Kirchenjahr komponiert hat, kommen zwei hochbarock vollendete Werke zur Aufführung. Das „Höchsterwünschte Freudenfest“ stellt in seiner ungewöhnlich doppelten Form mit zwei sechssätzigen Teilen besondere Herausforderungen an Chor und Solisten in Stimmtechnik und Ambitus.

Dem steht die Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ mit ihrer Zeit überdauernden Intensität und Stärke in nichts nach. Bach selbst notierte in die Noten „Per ogni tempo“ (für alle/jede Zeit). Vielmehr können beide mit einem „Freudenfest“ und der „Bekümmernis“ das Leiden und die so lange ersehnte Wiederbelebung der Kunst und der Musik in der derzeitigen Lage ausdrücken.

Dritter und vierter Kantatensonntag mit Händel und Galuppi

Mit Georg Friedrich Händel, der England zu seiner Wahlheimat erkoren hatte, und Baldassarre Galuppi aus Italien stehen sich am dritten und vierten Kantatensonntag ein weltberühmter und ein bislang vor allem unter Experten gefeierter Komponist gegenüber. Das Cannons Anthem „O sing unto the Lord a new song“ von Händel am 11.07. in einer herausragenden Bearbeitung für Frauenchor strahlt aus innerster Freude und Liebe heraus, wieder ein Lied zu singen. Im dreistimmigen Frauenchor-Satz spiegelt sich die Leidenschaft und die Anmut eines jeden Chores wider, der nach der Pandemie endlich wieder sein erstes Konzert geben wird.

Dem stellt sich im letzten Konzert am 18.07.2021 ein venezianisches „Dixit Dominus“ von Baldassarre Galuppi entgegen. Auch wenn Händel sich seinerzeit über eine Oper Galuppis mokiert haben mag, fände diese galante und inspirierende geistliche Musik aus heutiger Sicht sicher die Zustimmung des Großmeisters. An Dramatik und Esprit fehlt es der Komposition in jedem Fall nicht – es ist ein Werk, das jeden Hörer an das erinnert, was Musik im Kern ausmacht: Leidenschaft, Gefühle, Sinn, Anstoß und das Entdecken neuer Welten.

Konzerterlebnis vor Ort und Livestream

Eine limitierte Besucherzahl kann die Konzerte vor Ort miterleben. Darüber hinaus ist geplant, sie über einen Live-Stream auch allen Musikliebhabern überregional zugänglich zu machen. Alle Karteninformationen sind baldmöglich hier auf unserer Website verfügbar.


Update:

Aufgrund behördlicher Auflagen musste die Konzertinitiative verschoben werden. Die neue Planung fasst die bisher vier Kantatensonntage nun in nur drei Terminen zwischen August und September 2021 zusammen. Die neuen Termine und weitere Einzelheiten finden Sie hier.

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